Trösten tut gut!

Möttchen berichtet

Am 1. August feiern die Menschen den Geburtstag der Schweiz. Das ist ja per se etwas Schönes – wenn es nur nicht mit solch einem Geknalle und Geböllere verbunden wäre! Das zumindest finden viele Hundekumpels von mir wie auch die Fell-, Feder- und Wollfreunde in Stall, Feld und Wald.

Foto: pixabay
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Für viele von uns sind diese Knallgeräusche nämlich Angstauslöser. Der Grund dafür ist, dass diese Geräusche sehr plötzlich und zugleich sehr heftig auftreten. Das löst bei uns Anspannung, Schreck, Angst, Panik und/oder Fluchtverhalten aus.

 

Jetzt scheint es ja nicht sehr realistisch zu sein, dass die Menschen auf dieses „Krach machen“ freiwillig verzichten. Ich glaube, für viele von ihnen ist das „feuerwerkeln“ etwa gleich selbstbelohnend wie für mich das Rabenvögel scheuchen!

Das bedeutet für uns Fellfreunde nicht anderes als: wir müssen da durch und den 1. August irgendwie überstehen.

Foto: pixabay
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Am besten geht das für uns mit Hilfe von euch,  unseren Bezugspersonen!

Aber leider bekommen immer noch und immer wieder unsere Menschen von Fach- und anderen Personen gesagt, dass wir Hunde in stressenden Situationen nicht getröstet werden dürfen. Weil Trost nämlich die Angst verstärken würde!

 

Hm... dann lasst mich doch mal fragen, ob euch diese Situation bekannt vorkommt: Ihr fühlt euch nicht besonders gut, seid vielleicht ein bisschen melancholisch oder traurig oder einfach nicht so gut im Strumpf. Da legt euch euer Hund seinen Kopf auf den Schoss... oder leckt euch die Hand... oder lehnt sich einfach bizzi bei euch an... oder bringt sein Spieli... Dein Hundekind versucht, dich zu trösten! Trösten ist nämlich ein Verhalten, das auch wir Hunde kennen. In der Verhaltensbiologie sagt man dem auch soziopositives Verhalten (hat mir Esther grad zugeflüstert). Viele Tiere (inkl. Mensch) die in Gruppen leben, geben sich soziale Unterstützung in stressenden Situationen – sie trösten einander! Wenn jetzt aber Trösten tatsächlich Angst verstärken würde, hätte sich dieses Verhalten doch mit Garantie im Laufe der Evolution nicht erhalten können! Logisch? Oder?

Deshalb - und um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Ihr dürft uns trösten, wenn wir Angst haben! Tröstend ist für uns alles, was uns entspannt und uns hilft, unseren Stress zu reduzieren.

Foto: Brigitte Kreisl / www.brigittekreisl.ch
Foto: Brigitte Kreisl / www.brigittekreisl.ch
  • Bleibt also am 1. August oder an Silvester bitte bei uns Hundekindern und ignoriert uns nicht!
  • Ruhige Berührungen oder ruhiges Streicheln kann die Entspannung unterstützen – aber nur, wenn wir das auch wollen. Es gibt keine Zwangsentspannung, das funktioniert nämlich nicht!
  • Vielleicht möchte sich ein Hund an einen dunkeln, für sein Empfinden sicheren Ort zurück ziehen (ins Badezimmer, in die Badewanne, unter das Bett, unter die Treppe...). Mit einer Hundedecke kann der Ort bizzi kuschelig gemacht werden.
  • Musik oder TV helfen, das Geknalle ein wenig zu übertönen.
  • Geschlossene Roll- oder Fensterläden schliessen die Lichtblitze aus.
  • Wenn möglich führt uns vor dem grossen Geknalle nochmals nach draussen zum Versäubern. Bitte sichert uns immer mit der Leine!
  • Da bereits unter Tag oder am Tag davor mit dem Zünden von Feuerwerk begonnen wird, lasst uns bitte draussen nicht von der Leine. Gerät nämlich ein Kumpel in Panik, kann er kopflos flüchten!
  • In Panik sind wir auch fähig, uns aus dem Halsband oder dem Geschirr zu winden. Deshalb ist es wichtig, dass wir an solchen Tagen wie 1. August oder Silvester entweder doppelt gesichert werden, d.h. die Leine wird an Brustgeschirr und Halsband fixiert, oder wir mit einem Sicherheitsgeschirr geführt werden, um das Ausbüxen zu verhindern.
Mein Sicherheitsgeschirr und ich
Mein Sicherheitsgeschirr und ich

Und bitte, bitte reagiert weder unfreundlich noch ärgerlich auf einen Hundefreund in Angst. Denn das – und nicht das Trösten – verstärkt die Angst!

 

Wer auf das Zünden von Feuerwerk verzichtet, leistet einen sinnvollen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz.

Wir Haus-, Nutz- und Wildtiere danken es!

 

Herzliches Wuff Wuff von

eurer Nayeli


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Kommentare: 4
  • #1

    Ulrike Binder (Mittwoch, 26 Juli 2017 23:25)

    Alle, wirklich alle, Blogartikel sind so wunderbar und so wirklichkeitsnah geschrieben - alles erlebe ich/wir genau so!

    Vielen Dank! ...und einen entspannten 1. August!
    Ulrike Binder

  • #2

    Esther Hufschmid (Donnerstag, 27 Juli 2017 08:26)

    Herzlichen Dank für die nette Rückmeldung!

  • #3

    Maya Bischof (Mittwoch, 02 August 2017 15:01)

    Herzlichen Dank für deinen einfühlsamen Beitrag zum ersten August.
    Der ist ja jetzt glücklicherweise vorbei. Meine Tosca ist kein ängstlicher Hund. Sie hat sich auf mein Bett gelegt und seelenruhig geschlafen - meinte ich! Ich habe sie, wenn sie wach war gestreichelt und ihr ruhig zugesprochen.
    Aber heute, am Tag danach war sie völlig desorientiert, hat sich verkrochen und kommt jetzt wieder langsam ins Gleichgewicht. Sie braucht sehr viel Nähe und Zeit - und das ist ja eigentlich schön!
    Herzliche Grüsse
    Maya

  • #4

    Esther Hufschmid (Mittwoch, 02 August 2017 15:20)

    Liebe Maya
    Du hast das sehr gut beobachtet, das Verhalten deiner süssen Tosca! Ein Tier kann sich tatsächlich in einer Situation gestresst fühlen und wir sehen von aussen nichts davon. Erst wenn sich der Stress im Verhalten zeigt - also an die Körperoberfläche kommt - können wir es wahrnehmen. Der Stresshormon-Pegel war aber evtl. schon lange vorher erhöht. Deshalb macht es absolut Sinn auch Hunde, die entspannt wirken, in solchen "Böllersituationen" wie am 1. August oder Silvester gut im Auge zu haben und zu unterstützten.
    Einfach nur toll, wie du deinem Hundemädel auch in schwierigen Situationen hilfst!
    Sehr herzlich
    Esther