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Im Minimum die Leine drum!

Möttchen berichtet

Foto: www.brigittekreisl.ch
Foto: www.brigittekreisl.ch

Ich gestehe es: ich bin eine derer Von und Zu Jagd. Kumpels von meinem Hundetyp - Vorstehhunde - wurden genetisch so selektiert, dass wir die Verhaltensweisen des Vorstehens durch Verharren in der Bewegung mit angewinkeltem Vorderlauf anzeigen - so zumindest steht es im Rassestandard beschrieben.

Unterwegs auf Spaziergang werde ich von anderen Hundemenschen auch regelmässig als Jagdhund erkannt - wenn auch die wenigsten wissen, dass ich eine Bretona bin. Fast mitleidig wird Esther manchmal gefragt, ob sie mich denn immer an der Leine führen müsse und ob ich intensiv jagen würde. Um im gleichen Atemzug ungefragt zu erklären, dass ihr 4-pfotiger Freund zum Glück zu den Hunden gehört, die nicht jagen! Nienimmer würde er einem Wildtier hinterher hetzen. Nein, ihr Hund mache sowas nicht!

Dabei ist es aber schon so, dass bei jedem Hund die sogenannten formkonstanten Verhaltenselemente angelegt sind. Diese werden in die Funktionskreise

- Nahrungserwerb

- Fortpflanzung

- Sicherheit

unterteilt.

In den Funktionskreis "Nahrungserwerb" gehört das Sammeln von Essen und das Jagen von Essen.

Essen sammeln bedeutet Abfälle, Aas oder Kot finden und fressen (und manchmal noch kurz darin wälzen...), jagen tun wir kleine oder grosse Tiere (Insekten, Mäuse, Vögel, Hasen, Rehe...). 

Die Basis der formkonstanten Verhaltenselemente bildet ein genetischer Rahmen - und zwar bei jedem Hund. Das heisst, die Ausführung dieser Verhaltenselemente muss nicht erlernt, sie kann allenfalls verfeinert werden.

 

Zum Verhaltenselement "Jagen von Essen" gehört aber nicht "nur" das Hetzen von Beute, es umfasst insgesamt 6 Module.

 

Module des Verhaltenselements Essen jagen

Orientieren meint, Ausschau halten in der Umwelt, ob da etwas "Jagdbares" rumläuft oder rumfliegt oder rumkriecht.

Ist ein jagdbares Objekt gesichtet worden, wird es fokussiert, die Wahrnehmung wird auf dieses Objekt eingeschränkt. Es wird beschlichen und erst an 4. Stelle folgt das Hetzen der Beute um sie schlussendlich festzuhalten und dann zu töten, zu zerlegen und zu fressen.

 

Je nach Hundetyp, je nach Hundepersönlichkeit und je nach züchterischer Selektion sind diese Module bei uns Hunden verschieden stark ausgeprägt.

 

Ich zeige euch mal die Unterschiede zwischen zwei Hunde-Typen auf. Die Grösse der einzelnen Puzzle-Teile zeigt an, ob ein Modul stark oder eher schwach ausgeprägt ist.

(Grosses Puzzleteil = Verhalten kann leicht ausgelöst werden; kleines Puzzleteil = Verhalten wird nicht so leicht ausgelöst.)

Typ Vorstehhunde

Foto: www.brigittekreisl.ch
Foto: www.brigittekreisl.ch

Gucken wir mal meine Wenigkeit, den Typ Vorstehhund, etwas genauer an. Wie aus meinen Puzzleteilen ersichtlich wird, orientiere, fokussiere und beschleiche ich gerne und gut. Hetzen kann ich auch - ohne Zweifel - dieses Verhaltensmodul wird aber a) nicht so schnell ausgelöst, bzw. ist b) leichter zu unterbrechen als zum Beispiel meinem Kumpel von den Windhundartigen.

Typ Windhundartige

Foto: Pixabay
Foto: Pixabay

Der Hundetyp der Windhundartigen orientiert sich intensiv in der Umgebung, er sucht diese nach Beute ab. Wenn er etwas gesichtet oder in der Nase hat, kommt er schnell und intensiv - quasi von 0 auf 100 - ins Hetzverhalten. Das ist seine Aufgabe, dafür wurde dieser Hundetypen auch "gemacht".


Jeder Hund - ob Chihuahua oder Dogge - verfügt über diese sechs Module im Verhaltenselement Nahrungserwerb; jeder ist in der Lage, Essen zu jagen.

 

Warum ich dieses Thema grad jetzt und heute aufgreife, habt ihr sicher bereits erraten. ;-) 

Es ist nämlich Brut- und Setzzeit!

Unsere Fell- und Federfreunde in Wald und Flur sind mit der Produktion und Aufzucht ihrer Nachkommen beschäftigt.

Das bedeutet: Leinenpflicht für uns Hunde im Wald und am Waldrand bis Ende Juli.

Im Minimum die Leine drum! (Foto E. Hufschmid)
Im Minimum die Leine drum! (Foto E. Hufschmid)

Störungen und mögliche Risiken für Wildtiere durch Hundekumpels, die quer durch Wald und Flur streunen, sind vielfältig. Denn auch Hunde, die nicht wildern, können Wildtiere stören oder gefährden. Allein durch die Berührung eines Jungtieres kann sich dessen Geruch verändern. Folge kann sein, dass die erwachsenen Tiere den Nachwuchs verstossen.

Insbesondere Rehe, die hochträchtig in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit stark eingeschränkt sind, können mit ihren ungeborenen Kitzen Opfer von streunenden und jagenden Hunden werden. Diese stressenden Ereignisse können für das Reh zB. mit einer Fehlgeburt enden.

Vertreibt ein freilaufender Hund Bodenbrüter vom Nest, können die Eier im Gelege auskühlen oder bei Hitze kollabieren. Wenn die Elterntiere die Gelege öfter oder länger verlassen müssen, fallen Jungtiere leicht natürlichen Feinden zum Opfer oder können verhungern.

 

Und deshalb ist doch Ehrensache für uns alle, denen die Natur und die Tiere am Herzen liegen: Im Minimum die Leine drum! :-)

Mit bizzi Rücksichtnahme und Toleranz haben nämlich wir alle Platz in Feld, Wald und Flur!

 

Herzliches WuffWuff

eure Nayeli

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Ruedi Suter (Donnerstag, 11 April 2019 14:28)

    Liebes Möttchen
    Mein Mensch hat mal bei LUWAL gefragt was Waldrand bedeutet. Die Antwort war ca.20 bis 50 Meter vom Wald weg. Bizzi ungenau, also gesunden (Menschen)-verstand walten lassen. In dieser Zeit gehe ich halt oft an die Reuss, dort hat es keinen Wald dafür viiiiel Wasser�.
    Wau Wau deine Nyma.

  • #2

    Rita + Lucy (Freitag, 12 April 2019 15:19)

    Liebes Möttchen
    Super spannend, euer Artikel. Vom Fokussieren und Beschleichen her gehört meine Lucy-Maus ganz klar zu den "Vorstehhunden". Danke für den Appell, betreffend Leine im/am Wald und die Erinnerung, dass es ausser Rehen auch noch andere Waldbewohner gibt die sich gestört fühlen oder sogar in Gefahr geraten, wenn sie aufgestöbert werden.
    Pfotige Grüsse
    Rita + Lucy

  • #3

    Bonnie und Irene (Samstag, 13 April 2019 17:37)

    Liebe Seniorita Nayeli,
    Also tröstet mich, dass nun andere Hundekumpel auch an die Leine müssen. Ich muss nämlich immer, seit Jahren. Habe mal Mist gebaut. Eigentlich ist Leinenlaufen aber gar nicht so schlimm. Gut, mal einer frechen Krähe oder dummen Katze nachsausen, wäre schon toll. Weil meine Mama sehr verständig ist, habe ich nämlich die grosse Freiheit an der Leine: rechts, links, vor, hinten, genau wie im Dog Dance, schnüffeln so lang ich will. Um ehrlich zu sein, übertreibe ich manchmal und ziehe Mama hinter mir her, wurde ja als Jungspunn vors Wägeli gespannt. Dann erinnert sich Mama an die Lektionen bei Deiner Esther: Endi, Leine, Chere, Fuss. Ich beherrsche das tiptop und so schliessen wir nach wenigen Minuten Frieden, und ich eile wieder in die grosse Freiheit - an der Leine. Mein Rat: Bezirze Esther mit Deinem Charme. Ich mach's in ihren super Trainings, wirkt.
    Hochachtungsvoll
    Bonnie, Esthers Sternchen

  • #4

    Esther (Dienstag, 16 April 2019 22:40)

    Danke herzlich, ihr Lieben, für eure Kommentare! Immer schön, von euch hören, bzw. zu lesen!