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Von Strafen im Hundetraining und ihren Nebenwirkungen

 

Im letzten Monat hat eine Trainerin von Deutschlands bekanntestem Hundetrainer (M. Rütter) in einem Trailer zur neuen Staffel "Der Hundeprofi" gezeigt, wie sie einen Pudelwelpen zuerst mit Futter zu sich hin lockt, um ihn in dem Moment, in dem er das Futter nehmen will, körperlich zu massregeln. Dies mit der Begründung, der kleine Hund zeige eine "boshafte Ressourcenverteidiung".

 

Eine Kollegin schrieb dazu auf Facebook:

"2023 - Löwen, Elefanten, Tiger, Wale und Alligatoren werden in diversen Zoos über positives Training dazu gebracht, sich kooperativ dem Menschen gegenüber zu verhalten.

Nur bei einer Spezies sind nach wie vor viele Menschen davon überzeugt, Druck und Gewalt in der Ausbildung seien die Lösung. Bei der Spezies, die wir landläufig als "den besten Freund des Menschen" betiteln."

 

Ganz ehrlich? Wer solche Massnahmen im Training anwendet und noch schön redet, sagt in allererster Linie etwas über sich selbst, bzw. seine fehlenden Kompetenzen aus. Gewalt im Hundetraining beginnt immer dort, wo Wissen aufhört!

 

 

Was sind Strafen? Was wir darunter verstanden?

Den Hund strafen bedeutet lerntheoretisch, dass ihm etwas Ungutes zugefügt wird, dass auf ein Verhalten, das er gezeigt hat, eine ungute Konsequenz folgt.

Solche strafenden Konsequenzen können auf der physischen oder der psychischen Ebene erfolgen.

 

Beispiele für körperliche Strafen sind: 

Den Hund auf den Rücken drehen, ihn runter drücken (wird leider immer noch z.T. in der Welpenerziehung praktiziert)

 

Ihn mit der Leine rucken


Mit dem Schnauzengriff die Lefzen gegen die Zähne drücken

ihn kneifen, rumschubsen


 

Beispiele für psychische Strafen 

Den Hund ausschimpfen, anzischen, anschreien...

Ihm das Ausleben seiner Bedürfnisse verweigern

Ihn mit Bodyblock abdrängen, einschränken

Den Hund ignorieren, isolieren, wegsperren


 

Es ist und bleibt eine Tatache - Strafmassnahmen wie oben beschrieben sind tierschutzrelevant, das heisst illegal! Denn es ist per Tierschutzgesetz verboten, "...ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten." (Artikel 26 TschG).

 

Nebenwirkungen von Strafe

Wer seinen Hund über Strafen (ungute Konsequenzen zufügen) erzieht, muss sich der Nebenwirkungen bewusst sein. Denn Strafen haben Nebenwirkungen! Sie können langfristig negative Auswirkungen auf das Verhalten und das Wohlbefinden des Hundes haben.

 

Angst und Stress

Strafen führen dazu, dass der Hund zusätzlich geängstigt wird und sich gestresst fühlt. Die Gefahr, dass er eine Trainingseinheiten mit negativen Erfahrungen und Emotionen verknüpft und das Vertrauen in seine Bezugsperson verliert, besteht!

 

Aggression

Wird ein Hund wiederholt bestraft, kann dies zu aggressivem Verhalten führen, zu einer sogenannten Verteidigungsaggression. Der Hund macht die Erfahrung, dass eine Möglichkeit, der Strafe zu entkommen, darin besteht, sich zu verteidigen. Oft eskaliert dann die Situation. Der Hund wird noch härter abgestraft, weil er den eigenen Menschen ankgeknurrt oder abschnappt hat - denn das geht ja für viele gar nicht! Das Resultat: Der Hund verteidigt sich intensiver, beisst evtl. zu weil er die Erfahrung gemacht hat, dass Knurren nicht hilft. Am Ende dieser Gewaltspirale stehen dann häufig die Abschiebung ins Tierheim oder die Euthanasie des Hundes.

 

Erlernte Hilflosigkeit

Ein Hund lernt, dass besser ist es, sich gar nicht zu verhalten als irgend etwas zu tun und dadurch eine Strafe zu riskieren. Solche Hunde nehmen keine Notiz mehr von der Umwelt, zeigen keine Umwelterkundung oder laufen wie Roboter neben der Bezugsperson her. Die erlernte Hilflosigkeit ist im Erleben der Krankheit Depression sehr ähnlich.

 

Vertrauensverlust

Wird ein Hund wiederholt bestraft, geht das einher mit einem Vertrauensverlust in seine Bezugsperson.  Der Hund hat die Erfahrung gemacht, dass er sich auf sie nicht verlassen kann. Er kann sich nie sicher sein, ob es ungemütlich oder schmerzhaft wird oder ob es gut für ihn ist.

 

Ob der Hund eine Einwirkung als Strafe empfindet, bzw. welche Nebenwirkungen die Strafe hat, hat auch mit der individuellen Persönlichkeit zu tun.

"Leicht hemmbare Hunde" können bereits auf eine unfreundliche Ansprache mit Meideverhalten und Angst reagieren. Oft wird solches Verhalten dann als "folgsam" definiert. "Robustere Hunde" lassen sich vielleicht weniger schnell beeindrucken - und werden als Folge häufig stärker und öfter bestraft (siehe bei Aggression).

 

Strafen im Hundetraining haben aber also nicht "nur" negative Auswirkungen auf das Befinden des Hundes, sie belasten auch die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

 

Viel besser, freundlicher, spassvoller ist es, den Hund über positive Verstärkung zu trainieren und ihn Bedürfnisgerecht über Lob, Futter, Spiel, Umweltbelohnungen etc. für erwünschtes Verhalten zu belohnen, dieses dadurch zu stärken und damit auch unerwünschtes Verhalten zu minimieren!

 

Ich weiss ja nicht, wie es euch ergeht - aber ich möchte nie nimmer einen Hund an meiner Seite, der Angst vor mir haben muss. 

 

Welche Erfahrungen mit Strafen habt ihr gemacht? Wurde euch auch schon empfohlen, den Hund ein bisschen "strenger" anzufassen? Ihm deutlich zu machen, wo der Hammer hängt?

Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

 

Herzliche Pfotengrüsse

Esther & Mädels

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